Geschichte der Kathedrale La Seu

Vom Gelübde eines Königs im Sturm bis zur Keramikkapelle von Barceló: Daten, Zahlen und die Umbauten, die den Raum geprägt haben.

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Preise, Öffnungszeiten und Regeln mit den Angaben der Kathedrale von Mallorca abgeglichen. Verbindlich ist immer die Buchungsseite.

Die Kathedrale Santa Maria von Palma ist das Ergebnis eines Gelübdes, von fast vier Jahrhunderten Bauzeit und von zwei radikalen Eingriffen des 20. und 21. Jahrhunderts. Jaume I. von Aragón versprach sie während der stürmischen Überfahrt zur Eroberung Mallorcas 1229, seine Nachfolger bauten an ihr bis zur Weihe 1601, ein Erdbeben zwang 1851 zum Neubau der Westfassade, Antoni Gaudí räumte 1904 bis 1914 das Innere um, und Miquel Barceló verkleidete 2007 eine Kapelle mit Ton. Das Ergebnis ist eine der größten gotischen Kirchen Europas und ein Bau, der Mittelalter und Gegenwart in einem Raum zeigt.

1229Baubeginn
1601Weihe
121 mLänge
55 mBreite
44 mHöhe Mittelschiff
1904–1914Gaudí-Umbau
Westfassade mit dem Hauptportal
Westfassade mit dem Hauptportal

Das Gelübde von 1229

Im September 1229 geriet die Flotte von Jaume I., König von Aragón und Graf von Barcelona, auf dem Weg nach Mallorca in einen Sturm. Der Überlieferung nach gelobte der junge König, der Jungfrau Maria eine Kathedrale zu bauen, wenn er die Insel erreiche. Ende 1229 fiel Madina Mayurqa, das maurische Palma, und an der Stelle der Hauptmoschee neben dem Palast des Walis, der heutigen Almudaina, wurde mit dem Bau begonnen. Die Moschee diente zunächst als Kirche, während um sie herum die neue Kathedrale wuchs; abgerissen wurde sie erst, als die Gotik sie überflüssig gemacht hatte.

Vier Jahrhunderte Bauzeit

Die Hauptbauphase fiel ins 14. bis 16. Jahrhundert. Zuerst entstand die Capella de la Trinitat als Grablege der mallorquinischen Könige, dann die Königskapelle, dann die drei Schiffe in Richtung Westen. Die Architekten wählten die südfranzösisch-katalanische Variante der Gotik: ein sehr breiter, sehr hoher Raum, schlanke achteckige Pfeiler ohne Kapitelle, kaum Zierrat und viel Licht. Das Mittelschiff erreicht 44 Meter Höhe, nur wenige gotische Kathedralen in Europa kommen höher, und das mit Pfeilern, die kaum dicker sind als in einer Dorfkirche. Die Gesamtlänge beträgt 121 Meter, die Breite 55 Meter. 1601 wurde der Bau geweiht; die Westfassade stand da schon, würde aber nicht halten.

Keramikwand von Miquel Barceló in der Capella del Santíssim
Keramikwand von Miquel Barceló in der Capella del Santíssim

Das «Ull del Gòtic»: die größte Rosette

Über dem Chor sitzt die große Rosette, auf Katalanisch Ull del Gòtic, das Auge der Gotik: rund 13 Meter Durchmesser, etwa 1 200 Glasstücke, nach gängiger Zählung eines der größten gotischen Rosenfenster der Welt. Sie ist nach Osten ausgerichtet, deshalb fällt morgens ihr farbiges Licht in Richtung Westfassade. Weitere Rosetten und zahlreiche hohe Fenster machen die Kathedrale zu einem der hellsten Räume der Gotik, und sie sind der Grund für das Lichtspiel der Festa de la Llum am 2. Februar und 11. November, bei dem die große Rosette genau unter der Westrosette abgebildet wird. Die Termine und Uhrzeiten stehen unter Öffnungszeiten.

Drei Portale und ein Erdbeben

Das Portal del Mirador an der Südseite zum Meer ist das schönste: Ende des 14. Jahrhunderts begonnen, von Guillem Sagrera vollendet, mit einem Tympanon des letzten Abendmahls und Figuren, die über den Hafen blicken. Heute ist es der Sommereingang für Besucher. Das Portal de l'Almoina an der Nordseite, benannt nach dem Almosenhaus daneben, ist der Wintereingang. Das Portal Major an der Westfassade ist das jüngste: Das Erdbeben von 1851 beschädigte die alte Fassade so schwer, dass sie zwischen 1851 und 1902 im neugotischen Stil komplett neu errichtet wurde. Die heutige Westfront mit ihren Türmchen, der kleinen Rosette und dem reich gegliederten Portal ist also nur gut 120 Jahre alt.

Gaudí: 1904 bis 1914

Bischof Pere Campins holte 1904 Antoni Gaudí nach Palma, um die Liturgie näher an die Gemeinde zu bringen. Gaudí versetzte das Chorgestühl aus der Mitte des Hauptschiffs in den Altarraum, wodurch der Blick von der Westtür bis zur Rosette frei wurde, hängte über den Altar einen schmiedeeisernen Baldachin in Form einer Dornenkrone mit Lampen, öffnete zugemauerte Fenster, entwarf neue Glasfenster und eine Beleuchtung mit elektrischem Licht, Keramik und vergoldeten Blechen. 1914 brach er die Arbeit nach Streit mit dem Domkapitel ab; der Baldachin war als Provisorium gedacht und hängt bis heute. Für viele Besucher ist der Blick von der Westtür auf Baldachin und Rosette der stärkste Moment des Rundgangs.

Gotischer Kapitelsaal von 1443
Gotischer Kapitelsaal von 1443

Barceló: die Kapelle aus Ton

2007 wurde in der rechten Apsiskapelle, der Capella del Santíssim, das Werk des mallorquinischen Künstlers Miquel Barceló eingeweiht: ein rund 300 Quadratmeter großes Keramikrelief, das die Wände der Kapelle wie eine Höhle überzieht, mit Broten, Fischen, Früchten und dem Meer als Bild der Brotvermehrung. Dazu neue Fenster in Grautönen, die das Licht dämpfen, und ein schlichter Steinaltar. Das Werk war umstritten, heute ist es neben Gaudís Baldachin der meistfotografierte Teil der Kathedrale.

Das Museum in den Kapitelsälen

Der Rundgang führt durch die beiden Kapitelsäle, den gotischen und den barocken, in denen das Museu d'Art Sacre de Mallorca untergebracht ist: Reliquiare, Goldschmiedearbeiten, gotische Tafelbilder und Handschriften aus sieben Jahrhunderten Kirchenschatz. Der Eintritt ist im Ticket der Kathedrale enthalten, siehe Tickets & Eintritt. Vom Dach aus, auf der Terrassen-Führung, sehen Sie Strebebögen und Rosette aus der Nähe.

Zeitleiste

JahrEreignis
1229Gelübde von Jaume I. im Sturm; Eroberung Mallorcas, Baubeginn an der Stelle der Hauptmoschee
14.–16. Jh.Hauptbauphase: Königskapelle, drei Schiffe, Portal del Mirador (Guillem Sagrera)
1601Weihe der Kathedrale
1851Erdbeben beschädigt die Westfassade; Neubau bis 1902
1904–1914Umbau durch Antoni Gaudí: Chor versetzt, Baldachin, Fenster, Licht
2007Keramikkapelle von Miquel Barceló in der Capella del Santíssim
Die große Orgel
Die große Orgel

Häufige Fragen zur Geschichte

Wann wurde die Kathedrale von Palma gebaut?

Begonnen 1229 nach der Eroberung durch Jaume I., Hauptbauzeit 14. bis 16. Jahrhundert, Weihe 1601. Die Westfassade wurde nach dem Erdbeben von 1851 bis 1902 neu gebaut.

Wie groß ist die Kathedrale?

121 Meter lang, 55 Meter breit, das Mittelschiff 44 Meter hoch, eines der höchsten gotischen Schiffe Europas.

Was hat Gaudí in der Kathedrale gemacht?

Zwischen 1904 und 1914 versetzte er das Chorgestühl in den Altarraum, hängte den schmiedeeisernen Baldachin über den Altar und schuf neue Fenster und Beleuchtung.

Was ist das Ull del Gòtic?

Die große Rosette über dem Chor: rund 13 Meter Durchmesser, etwa 1 200 Glasstücke, eines der größten gotischen Rosenfenster der Welt.

Was zeigt die Barceló-Kapelle?

Ein rund 300 Quadratmeter großes Keramikrelief von 2007 mit Broten, Fischen und Meer, ein Bild der Brotvermehrung, in der Capella del Santíssim.

Stand hier vorher eine Moschee?

Ja, die Hauptmoschee des maurischen Palma. Sie wurde nach 1229 zunächst als Kirche genutzt und erst abgerissen, als die neue Kathedrale sie ersetzte.

Rosette, Baldachin und Barceló selbst sehen

Der Rundgang mit Museum dauert 60 bis 90 Minuten; mit Online-Ticket gehen Sie ohne Anstehen hinein.

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